"Na sowas" (Oktober 1985)

 

NDR TALK SHOW, 18. OKTOBER 1985GOTTSCHALK: Ich hoffe, mit mir ist er heute abend zufrieden: Herzlich willkommen, Klaus Kinski! Bitteschön, ja, Herr Kinski...

KINSKI: Mikrofon am Arsch...

GOTTSCHALK: Mikrofon da hinten drin... Ja, habe ich auch! Herr Kinski, Sie haben gesagt: Kinder, lasst mich erstmal ins Hotel, ich komm dann gegen 20 Uhr nach – sind Sie so ein spontaner Mensch, macht Ihnen das Spaß, so locker ran an die Sache?

KINSKI: Ich habe nicht gesagt: Kinder, lasst mich erstmal ins Hotel! Bei meinem letzten Talkshow-Besuch in Hamburg war es schlimm. Es ist normal, dass die Leute rauchen, aber da haben die alle gequalmt, drei Stunden lang, da kriege ich so eine Birne und Magenkrämpfe...

GOTTSCHALK: Sie sind praktisch nur dann sauer, wenn man Sie ärgert. Sie sind also von sich aus ein ruhiger Mensch, nur nicht, wenn man Sie ärgert. Wenn man Sie ärgert, kriegt man das, was man verdient?

KINSKI: Na, das ist, glaube ich, bei jedem so, oder?

GOTTSCHALK: Ja! Es ist natürlich so, dass wir auf unsere internationalen Stars, die wir haben, sehr stolz sind. Vielleicht haben wir ein paar Stars, die international bekannt sind. Es gibt nur ein paar Stars, die wir haben, der Helmut Berger ist ein deutschsprachiger Star, der Rosenthal und weißichnichtwas... Wir sind sehr froh, dass Sie heute hier sind. Allerdings sind unsere ganzen deutschen Stars, die wir im Ausland haben, immer so ein bisschen Enfant terribles, nicht, also wir wollen mal zeigen, dass wir da sind?!

KINSKI: Ist das eine Live-Sendung?

GOTTSCHALK: Alles live, alles...

KINSKI: Aha! Ich meine: Hat das einen Sinn, was zu sagen, oder schneiden Sie das immer raus?

GOTTSCHALK: Nee, wir sind also alles live...

KINSKI: Ich meine – ich verstehe die Frage nicht!

GOTTSCHALK: Nee?

KINSKI: Da ist kein Zusammenhang, kein Zusammenhang...

GOTTSCHALK: Ich wollte sagen: Es gibt nur ein paar Stars, die wir haben...

KINSKI: Wer ist wir?

GOTTSCHALK: Wir, wir alle...

KINSKI: Und was bin ich, was bin ich?

GOTTSCHALK: Ja, Sie sind doch ein internationaler Star, sonst hätte ich Sie ja gar nicht eingeladen.

KINSKI: Ja, aber wer ist dieses 'Wir'?

GOTTSCHALK: Wir, wir Deutschen... wir machen es ganz einfach...

KINSKI: Wiederholen Sie es nochmal, ich kann Ihnen nicht folgen.

GOTTSCHALK: Machen wir was anderes. Herr Kinski, Sie machen wahnsinnig viele Filme, Sie sind allerdings immer oder fast immer ein Bösewicht. Färbt das irgendwie ab auf die Privatperson? Sie wirken unfreundlich heute abend, zweifellos.

KINSKI: Schon wieder nicht verstanden...

GOTTSCHALK: Oh...

KINSKI: Nein, haha... Leute, die im Film Al Capone darstellen, machen die das im Leben auch so oder was? Was ist das für ein Unsinn?

GOTTSCHALK: Nein, schauen Sie her, Sie haben in vielen Rollen Menschen dargestellt, in Edgar-Wallace-Filmen, Sie sind Aguirre gewesen. Es sind spezielle Menschen, die Sie dargestellt haben. Wirkt das auf die Person irgendwie?

KINSKI: Was reden Sie denn da? Die einfachste Antwort ist: Es hängt einfach davon ab, wieviel man bezahlt, was man macht, speziell oder nicht speziell. Es ist eine anstrengende Arbeit, die man versuchen muss, den anderen beizubringen. „Wieviel bezahlen Sie? Nee, vergessen Sie es.“ Vielleicht geht man nach Südamerika oder nach Japan – so findet das statt.

GOTTSCHALK: Das weiß man, dass Sie beim Film ganz bestimmte Anforderungen stellen.

KINSKI: Bei den meisten Filmen versucht man es nicht noch blöder zu machen als man ist oder versucht zu retten, was man retten kann.

GOTTSCHALK: Sie sind also mit sich zufrieden, Sie liefern das Allerbeste ab, auch wenn es Ärger gibt?

KINSKI: Versteh ich schon wieder nicht, die Frage. Warum soll ich mit mir zufrieden sein? Das ist ein ganz organischer, natürlicher Vorgang. Wenn Sie mir das Mikro zu nah halten, mach ich das zurück! Und dann: Sind Sie jetzt zufrieden? Ja, natürlich bin ich jetzt zufrieden, weil Sie das Mikrofon nicht mehr so an mich halten!

GOTTSCHALK: Also alles ganz schlicht und einfach, das Doppelbödige ist gar nicht so da, Sie ärgern sich nur über Leute, die dumme Fragen stellen, so wie über mich jetzt zum Beispiel?

KINSKI: Nein, ja, ziemlich viele dumme Fragen!

GOTTSCHALK: Oh, ich bin bekannt dafür...

KINSKI: Ich kann mich nicht darüber ärgern. Ich habe unge­fähr eine Woche nicht geschlafen...

GOTTSCHALK: Eine Woche?

KINSKI: Man kriegt einen ganz trockenen Mund, hier ist es ein bisschen besser als in Hamburg, weil hier nicht geraucht wird. Ich denke im Augenblick daran, dass ich gleich ins Hotel zurück kann und ein Pilsner Bier trinken kann...

GOTTSCHALK: Es hat aber ein bisschen Spaß gemacht, oder?

KINSKI: Wahnsinnig viel Spaß! Ich habe mich wahnsinnig amüsiert, haha...

GOTTSCHALK: Gell? Ich auch...

KINSKI: Das Mikro will ich nicht mitnehmen, ich bin froh, wenn ich es loswerde!

GOTTSCHALK: Vielen Dank, dass Sie da waren, es war wirklich richtig wie im Kino! Wir verabschieden uns, das war „Na sowas!“ für heute, in vierzehn Tagen sehen wir uns wieder...

KINSKI: Nicht nochmal, nein...

GOTTSCHALK: Nicht Sie, nein. Frohes Biertrinken, servus...


   

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